Teheran | Das Hormus-Ultimatum - Welche Folgen hat Trumps Drohung?
Iran-Krieg
Teheran (dpa) - Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, iranische Kraftwerke zu zerstören, markiert eine neue Eskalationsstufe im Iran-Krieg. Dabei geht es Trump um die für den Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus, die der Iran faktisch blockiert. 48 Stunden habe Teheran Zeit, um die Meerenge zugänglich zu machen, warnte Trump. Das Ultimatum würde in der Nacht zu Dienstag deutscher Zeit ablaufen.
Der Iran reagierte prompt mit der Drohung, die Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen in den mit den USA verbündeten Golfstaaten ins Visier zu nehmen. Eine solche Eskalation könnte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft und die Region haben.
Warum kann der Iran die Straße von Hormus faktisch blockieren?
Die Meerenge vor Irans Küste ist eine wichtige Ader für den Welthandel mit Öl und Flüssiggas. Teheran hat seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe mehrfach gedroht, dort Schiffe anzugreifen. Zuletzt wurden im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Der Schiffsverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen.
Für den Iran wäre es mit relativ einfachen Mitteln möglich, großen Schaden anzurichten. So soll der US-Generalstabschef Dan Caine Trump nach einem Bericht der «New York Times» im Oval Office gewarnt haben, ein einziger iranischer Soldat auf einem Schnellboot könnte eine Rakete auf einen langsamen Tanker abfeuern oder eine Mine anbringen.
Die Reeder schickten keine Tanker mehr durch die Meerenge, weil eine glaubwürdige Drohung herrsche, sagte der Sicherheitsexperte Peter Neumann in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner». «Deswegen ist die Straße blockiert, auch ohne, dass sie tatsächlich physisch blockiert ist und auch ohne, dass jeder Tanker angegriffen wird.»
Welche Kraftwerke könnten die USA im Iran ins Visier nehmen?
Trump kündigte an, mit dem «größten» Kraftwerk im Iran zu beginnen - ohne zu spezifizieren, was er damit meint. Möglich ist, dass die USA Gaskraftanlagen ins Visier nehmen wollen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden im Jahr 2023 rund 80 Prozent der iranischen Stromversorgung aus Erdgas gewonnen. Die wichtigste Anlage, das Dampf- und Gaskraftwerk in Damawand, liegt in der Nähe der Hauptstadt Teheran und hat eine Kapazität von mehr als 2.800 Megawatt. Ein weiteres liegt in der Provinz Masandaran am Kaspischen Meer mit mehr als 2.200 Megawatt Kapazität.
Das einzige iranische Atomkraftwerk Buschehr liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf. Ein gezielter Angriff auf den Reaktor erscheint angesichts der unabsehbaren Folgen allerdings kaum vorstellbar.
Welche Folgen könnte das für die Menschen im Iran haben?
Die Wirtschaft im Iran ist durch den Krieg bereits stark beeinträchtigt. Selbst am persischen Neujahrsfest blieben die Basare und Einkaufspassagen leer. Das liegt neben den Angriffen und jahrelangen Sanktionen auch an der von der Führung in Teheran veranlassten Internetblockade. Seit mehr als drei Wochen ist das Land weitgehend vom internationalen Internetzugang abgeschnitten. Ein Angriff auf Gaskraftanlagen würde zusätzlich die Stromversorgung von Millionen Iranern gefährden.
Ein Zusammenbruch der Stromversorgung hätte weitreichende Folgen für die Bevölkerung: Kühlung und Heizung würden ausfallen, auch die Wasserversorgung wäre durch den Ausfall von Pumpen betroffen. Auch Bankensystem und Industrie wären beeinträchtigt. Die Menschen in Teheran fürchten ein solches Szenario und sprechen von einer «Apokalypse».
Was könnte der Iran im Gegenzug ins Visier nehmen?
Die Sorge richtet sich hier vor allem auf Entsalzungsanlagen in der Golfregion. Angriffe auf solche Anlagen oder Schäden durch herabfallende Trümmerteile gab es etwa schon in Bahrain und Kuwait - möglicherweise als eine Art Warnschuss aus Teheran. Systematische Angriffe auf diese Anlagen wären eine weitere schwere Eskalation, mit der die Wasserversorgung von Millionen gefährdet sein könnte.
Kaum eine Weltregion ist so stark auf Entsalzungsanlagen angewiesen wie die Golfstaaten. In der trockenen Wüstenregion auf der Arabischen Halbinsel gibt es kaum Süßwasserressourcen. Gemeinsam haben die Länder etwa 3.400 solche Anlagen, in Staaten wie Katar und Bahrain sorgen diese für mehr als 90 Prozent der Trinkwasserversorgung. Die Anlagen sind auch wichtig, um etwa die chemische Industrie und Datenzentren zu beliefern. Viele Anlagen befinden sich an der Küste des Persischen Golfs und damit nur Hunderte Kilometer vom Iran entfernt.
Was könnten die Folgen solcher Angriffe sein?
Ob die Wasserversorgung am Golf flächendeckend gefährdet sein könnte, hängt von der Zahl und Stärke solcher Angriffe ab, wie die Denkfabrik CSIS in einer Analyse schreibt. Der Ausfall durch Schäden an einer einzigen Anlage könnte demnach zunächst von anderen Anlagen ausgeglichen werden. Gefährlicher wären schon Raketen- und Drohnenangriffe auf die größeren Verteilzentren im Wassernetz.
«Der stärkste Effekt könnte psychologisch sein», schreibt CSIS. Denn auch mit dieser Art von Angriffen würde das Image von Sicherheit und Stabilität, auf dem die Golfstaaten ihr Wirtschaftsmodell in großen Teilen aufgebaut haben, beschädigt. Selbst wenn Haushalte am Golf vorübergehend auf anderem Weg mit Wasser versorgt werden müssten - der größere Schaden für die Staaten bestünde wohl darin, dass Touristen, Händler und Investoren dann noch größeren Abstand von der Region nehmen dürften.
© dpa-infocom, dpa:260322-930-849961/1
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